David R. Smyth – Straßenbahn D

David R. Smyth – Straßenbahn D

März 24, 2017

Ausstellung: Strassenbahn „D“ mit Kunstwerken von David Smyth

Ort: Galerie ARCC.art, Kaiserstrasse 76, 1070 Wien

Eröffnung: 5. April, 18:30Uhr

Laufzeit: 6. April – 3. Mai 2017

Kuratorin: Dr. Penesta Dika

Eröffnung durch Gemeinderat Ernst Woller, Vorsitzender des Gemeinderatsausschusses für Kultur, Wissenschaft und Sport
6.4.2017 - 3.5.2017 

Die Serie Strassenbahn „D“ basiert auf einer Unterhaltung, die der Künstler David Smyth während seiner Fahrt mit der Strassenbahn D in Wien gehört hat. Diese Serie zeigt eine Reihe von Bildern, die auf der Gestaltung der Sätze: „Well, It is like, you know! For Sure! Know what I mean!...” basieren. Die großen Buchstaben mischen sich in die Struktur des Bildes, welche aus in allen Richtungen verteilte, von Konturen bestehende längliche Formen konstruiert ist. Die fleckig aufgetragenen, kräftigen, manchmal grellen Farben scheinen die Dreidimensionalität des Bildes zurückzunehmen. 

In den anderen Gemälden Smyth's, die in dieser Ausstellung gezeigt werden, sieht man  tektonische Reihen, aus denen freie Formen entspringen. Die Farben vermischen sich miteinander oder grenzen aneinander. Sie verlaufen von einem zum anderen beinahe orthogonal strukturierten Bereich. Sie wiederholen sich rhythmisch auf der ganzen Bildoberfläche und vereinheitlichen somit ein Gesamtbild für den Betrachter.

Diese Ausstellung zeigt auch einige Eckbilder von David Smyth. Im Gegensatz zu seiner primären Funktion als Schutz für ein gemaltes Bild oder für eine Fotografie, wurde im 20. Jahrhundert, in der Konzeptkunst, ein leerer Rahmen als ein autonomes Kunstwerk ausgestellt. In den Werken von Smyth, findet man eine weitere Sonderform: der sich über ein Eck erstreckende Bilderrahmen.

In den Eckbildern, die realistische Fotografien bearbeiten und verfremden bestimmt die im Bild integrierte Ecke den Inhalt des Werkes, betont die Mimik der dargestellten Personen, oder betont die Kooperationen und Relationen zwischen den Dargestellten.

In den abstrakten Eckbildern Smyth's ähnelt der auf primäre Farben und Formen reduzierte Inhalt der Kunst der geometrischen Abstraktion des 20. Jahrhunderts. Diese Art der Eckbilder zeigt ein Spiel zwischen alt und neu, damals und heute, historisch und zeitgenössisch. In David Smyth‘s neue Eckbilderrahmenserie „Untitled outside corner“ aus dem Jahr 2016 ragt der Eckbilderrahmen zusätzlich noch dreidimensional im Raum heraus. Der Rahmen, der historisch gesehen einst einen bestimmten Inhalt einrahmte bzw. isolierte, kann nun flexibel eine leere Wandkante als Inhalt definieren. Dabei tritt aber der Rahmen selbst, der doch noch eine charakteristische Formation aufweist, als der Hauptinhalt des Kunstwerkes auf. Somit macht uns Smyth klar, dass der Inhalt des Kunstwerkes auch von seiner Positionierung im Raum und von der Perspektive, von dem aus man es betrachtet, abhängig ist. Der Bilderrahmen wird hier nicht als ein rechteckiges Grundgerüst verwendet, der die Kunstwerke ästhetisch isoliert, sondern als ein leerer Eckbilderrahmen, der wie eine autonome Skulptur für eine bestimmte Raumecke vorgesehen wurde. Weiter, der Bilderrahmen tritt in den Raum des Betrachters und leitet den Inhalt des Kunstwerkes von der Fläche zum Raum hin.

Den Drang, in den Raum des Betrachters einzugreifen zeigt Smyth auch in einem seiner Kunstwerke „Glory Days“ aus dem Jahr 2016, wobei er einen Stuhl aus dem Gemälde herauskommend in den Raum des Betrachters inszeniert. Wenn der Besucher sich darauf setzen würde, würde er Teil seines Kunstwerkes werden. Der Besucher wäre nun nicht nur ein Zuschauer, er wäre der Hauptdarsteller des Kunstwerkes. Ohne ihn bleibt der Stuhl leer und die Geschichte, die Smyth in seinem Gemälde dargestellt hat, würde für sich allein stehen. Es handelt sich hier um ein innovatives Kunstwerk, das mit dem Betrachter interagiert, ihn einlädt, Teil der Kunst zu werden.

Smyth‘s Schaffen im Allgemeinen zeichnet sich durch Skulpturen aus, die unter anderem aus Stühlen, Tischen und Treppen bestehen. Diese sind entweder in primären Farben dargestellt, sie sind gestreift, oder ihre Oberfläche wird mit Collagen behandelt. Sie werden oft in ungewöhnlichen Positionen inszeniert. Z.B. wird ein Ablagetisch diagonal im Raum befestigt, wie in dem Werk „Chain Saw“ aus dem Jahr 2007. Dabei werden die Gesetze der Physik ins Spiel gebracht, die eine solche Position des Stuhles im Raum nicht ermöglichen würden. Um das zu erreichen, lehnt Smyth die Stühle und Ablagetische aneinander oder inszeniert sie an der Wand in dem er sie befestigt. Die Objekte sehen dann wie Momentaufnahmen aus. Sie vermitteln den Eindruck, dass sie aus dem Nachbarraum in den Raum des Betrachters eindringen. Es ist eine Momentaufnahme des Prozesses festgehalten worden. Es ist auch eine Anspielung auf die andere Seite des Raumes, bzw. des Lebensraumes im Allgemeinen. Die Sitzmöbel und Objekte von Smyth werden von ihm selbstentworfen und gebaut. Ihre Oberflächenstrukturen werden sehr detailliert bearbeitet. Es entstehen Kunstwerke, die Noten von bekannten Musikkompositionen wiedergeben oder verfremden, oder Kunstwerke, die geometrische Strukturen, in das Material geschnitten, zeigen. Dadurch lässt Smyth durch geometrische Einfachheit (Linien, Kreise und Rechtecke), in den Stühlen ausgeschnitten, neue Ordnungen entstehen.

 

Skulpturen und Gemälde in Smyth‘s Schaffen zeichnen sich im Allgemeinen dadurch aus, dass sie den Betrachter integrieren. Sie bringen ihn dazu zu kommunizieren; die Betrachter kommunizieren auch intensiv mit dem Künstler. Smyth‘s Kunstwerke fassen Räume und unterschiedliche Zeiten in einem Kunstwerk zusammen, sie überwinden Hindernisse, sie stellen sich gegen physikalische Gesetze. Sie stehen aber auch nur für sich selbstdarstellend da, wie es z.B. in den abstrakten Eckbildern nachzuvollziehen ist. Mit solchen innovativen Elementen stehen Smyth‘s Kunstwerke als ein markantes Kunstschaffen in der zeitgenössischen Kunstszene. Nicht nur der Inhalt und die Hintergründe, auch die Techniken, die sehr anspruchsvoll sind, und ihre Kompositionen, die sich immer wieder balancieren um sich wieder zu de-balancieren, sind von großer Wichtigkeit, um sie in ihrer Vollkommenheit zu präsentieren.

 

© Dr. Penesta Dika



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