Gedanken zu David Smyth von der Kuratorin Penesta Dika

Gedanken zu David Smyth von der Kuratorin Penesta Dika

April 20, 2017

Eröffnungsrede von Penesta Dika

Ausstellung: Straßenbahn “D” von David R. Smyth

Ort: ARCC.art

Datum: 05.04.2017

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sehr geehrter Herr Gemeinderat Ernst Woller,

Liebe Galeristen Ulla und Rudolf,

Dear David!

 

Während eines Besuches in einer Galerie in Wien bin ich auf ein Kunstwerk aufmerksam geworden – ein Eckbild, das mich dazu brachte sehr lange nachzudenken, was die Bedeutung der Kunst heute im Allgemeinen sei … Ich erfuhr, dass dieser Künstler, der mich auch durch eines seiner Gemälde, präsentiert in einer anderen Ausstellung, sehr überzeugte, der Amerikaner David R. Smyth war. Ich wollte sehr gerne eine Recherche über seine Kunstwerke machen und so kam es zu einer Kooperation zwischen uns, wobei dann auch ein relativ umfangreicher Buchbeitrag von mir entstand ...

Kurz darauf sagte mir David, dass die Galerie ARCC.art geleitet von den Galeristen Ulla Bartel und Rudolf Leeb, die bereits vor längerer Zeit auf Davids Kunstwerke aufmerksam geworden waren, nun eine weitere Einzelausstellung mit seinen Kunstwerken zur Stande bringen wollen. Und so wurde die heutige Ausstellung initiiert und realisiert.

An dieser Stelle möchte ich mich herzlichst für die sehr angenehme Kooperation bei den Galeristen und bei dem Künstler bedanken.

 

Kunsthistorisch gesehen, hinsichtlich unserer Ausstellung, möchte ich mit einen dominanteren Teil beginnen, nämlich mit David Smyth's Gemälden.

Die Serie, die sie hier sehen, Strassenbahnlinie „D“ basiert auf einer Unterhaltung, die der Künstler während seiner Fahrt mit der Strassenbahn D in Wien gehört hat. Diese Serie zeigt eine Reihe von Bildern, die auf der Gestaltung der Sätze: „Well, It is like, you know! For Sure! Know what I mean!...” usw basieren.

Er hörte wie zwei Mädchen im Straßenbahn diese Wörter verwendeten. Das, was er hörte aber, machte für ihn keinen Sinn. Er konnte den Zusammenhang nicht verstehen, obwohl er ganz nah saß und das Gespräch auf Englisch – seiner Muttersprache, stattfand. Diese Wörter wiederholten sich andauernd. Die hier ausgestellten Gemälde sind sozusagen Momentaufnahmen von diesem Gespräch. Die Buchstaben, wie auch die Formen werden in allen Richtungen verteilt. Für den Betrachter entsteht der Eindruck der Verwirrtheit – was auch der Künstler ermitteln wollte.

 

Buchstaben oder auch Formen, die der Handschrift ähneln, sind bereits längst ein Thema in Smyths Kunstwerken, sowohl in seinen Gemälden als auch in seinen Skulpturen.

 

Diese Ausstellung zeigt auch einige Eckbilder von David R. Smyth.

Im Gegensatz zu seiner primären Funktion als Schutz für ein gemaltes Bild oder für eine Fotografie wurde im 20. Jahrhundert, in der Konzeptkunst, ein leerer Rahmen als ein autonomes Kunstwerk ausgestellt.

In den Werken von Smyth aber, findet man eine weitere Sonderform, und zwar:

der sich über ein Eck erstreckende Bilderrahmen.

In die neue Eckbilderrahmenserie Smyth's (Untitled Outside Corner) ragt der Eckbilderrahmen zusätzlich noch dreidimensional im Raum heraus. Der Rahmen, der historisch gesehen einst einen bestimmten Inhalt einrahmte bzw. isolierte, kann nun flexibel eine leere Wandkante als Inhalt definieren. Dabei tritt aber der Rahmen selbst, (der noch eine charakteristische Formation aufweist), als der Hauptinhalt des Kunstwerkes auf. Somit macht uns Smyth klar, dass der Inhalt des Kunstwerkes auch von seiner Positionierung im Raum und von der Perspektive, von dem aus es betrachtet wird, abhängig ist.

 

Den Drang in den Raum des Betrachters einzugreifen zeigt Smyth auch in einem anderen Kunstwerk: „Glory Days“ aus dem Jahr 2016. Hier inszeniert er einen Stuhl aus dem Gemälde in den Raum des Betrachters herauskommend. Wenn der Besucher sich darauf setzen würde, würde er Teil seines Kunstwerkes sein. Der Besucher wäre nun nicht nur ein Zuschauer, er wäre der Hauptdarsteller des Kunstwerkes.

Es handelt sich hier um ein innovatives Kunstwerk, das mit dem Betrachter interagiert, ihn einlädt, Teil der Kunst zu werden.

 

Ich möchte nun noch eine weitere Kategorie seiner Kunst vorstellen:

Smyth‘s Schaffen im Allgemeinen zeichnet sich auch durch Skulpturen aus, die unter anderem aus Stühlen, Tischen und Treppen bestehen.

Diese sind entweder in primären Farben dargestellt, sie sind gestreift, oder

ihre Oberflächen werden mit Collagen behandelt. Die Objekte von Smyth werden von ihm selbstentworfen und gebaut. Diese Skulpturen werden oft in ungewöhnlichen Positionen inszeniert; die Objekte sehen dann wie Momentaufnahmen aus. Sie vermitteln den Eindruck, dass sie aus dem Nachbarraum in den Raum des Betrachters hineindringen oder umgekehrt. Es ist auch eine Anspielung auf die andere Seite des Raumes, bzw. des Lebensraumes im Allgemeinen wahrzunehmen.

 

Abschliessend kann man sagen, dass Skulpturen und Gemälde in Smyth‘s Schaffen sich im Allgemeinen dadurch auszeichnen, dass sie den Betrachter integrieren. Weiters stellen sie sich gegen physikalische Gesetze. Sie stehen aber auch nur für sich selbstdarstellend da, wie es z. B. in den abstrakten Eckbildern nachvollziehbar ist.

Mit solchen innovativen Elementen stehen Smyth‘s Kunstwerke als ein markantes Kunstschaffen in der zeitgenössischen Kunstszene.

Ich würde mir für die Zukunft wünschen, dass Künstler wie David R. Smyth, die nicht nur durch Zufall ein vollkommenes Kunstwerk erschaffen, sondern durch sehr viele Gedanken, Recherchen, Überprüfung von Theorien und ästhetisches Verlangen, einen langen Weg hinter sich haben, bis sie ein Werk als Kunstwerk definieren – und noch dazu alles in ihrem Schaffen schön und deutlich nachvollziehbar ist, an die Spitze der zeitgenössischen Kunstszene kommen.

Einige Kunstwerke erstellen kann heute fast jeder von uns, aber ein Künstler zu sein, verlangt fundiertes Wissen über das, was man tut. David R. Smyth ist für mich ein solches Beispiel und deshalb wünsche ich ihm nur das allerbeste für seinen weiteren Weg.

 

Danke schön für Ihre Aufmerksamkeit.