Shanghai – Einblick in den Kunstmarkt des Ostens

Shanghai – Einblick in den Kunstmarkt des Ostens

März 30, 2017

China, ein riesiger Markt und nach wie vor – oder seit Trump vielleicht mehr denn je – eine aufstrebende Weltmacht in allen Bereichen. Auch in der Kunst? Ich habe mich auf den Weg gemacht um es herauszufinden.

Wie tickt China, wenn es um Kunst geht? Gibt es sie wirklich die zahlreichen chinesischen Sammler, bei denen Geld keine Rolle spielt? Was verstehen die Chinesen von europäischer Kunst und wie entwickelt sich die zeitgenössische Kunstszene in China? Mit diesen Fragen im Kopf bin ich nach Shanghai gereist. Das Ziel: Mögliche Kooperationen mit Galerien und KünstlerInnen vor allem im Bereich Medienkunst – ganz spezifisch: Augmented Reality Kunst. Eine neue App aus Wien, artivive, macht es erstmals möglich, eine KünstlerInnen- und SammlerInnen-Community in diesem Bereich aufzubauen. Jeder kann sich die neue Applikation auf das eigene Smartphone laden und damit eine zweite Präsentationsebene abrufen, ein Video oder eine Animation, die sich hinter dem AR Kunstwerk verbirgt.

Warum gerade China? Ein großer potentieller Markt, viele Technikfans – also Chancen für diese neue Medienkunst – und spannende, aufstrebende KünstlerInnen.

 

Hier also ein Erfahrungsschnappschuss aus den wenigen Tagen in dieser fremden Kultur:

Shanghai ist nicht China und China ist sowieso nie einfach nur China. Der Markt ist komplex, bestimmt von vielen unterschiedlichen Faktoren. Peking, Shanghai, Hongkong – das sind die Zentren der Kunst. Doch die zeitgenössische hat es schwer. Chinesen kaufen, was sie kennen. Die Kunstvermittlung und Bildung im Bereich Kunst ist deutlich weniger ausgeprägt als in Europa. Damit siegt die klassische chinesische Kunst am Markt, gefolgt von großen europäischen Namen. Die Chinesen konsumieren gerne, aber Kunst gehört nicht zu den Bereichen, wo sie selbstverständlich ihr Geld lassen. Das machen sie dann doch lieber in großen Luxuseinkaufszentren. Trotz allem sprießen Museen und Galerien aus dem Boden. Es scheint sich also viel zu bewegen und das in rasantem Tempo, wie man mir gesagt hat. Jedes Jahr ist alles anders, alles neu. Aber noch ist die Stadt geprägt von Gegensätzen: Wolkenkratzer, die alles überragen gleich neben alten Vierteln, in denen man um umgerechnet einen Euro essen kann und kaum Ausländer sieht. Für die Leute, die dort wohnen spielt Kunst keine Rolle.


Ich besuche die Shanghai Biennale. Sie ist gut besucht, die Kunst qualitativ durchwachsen. Ich beobachte die Chinesen, wie sie Kunst erleben. Das Smartphone ist ein ständiger Begleiter. Mehr noch als in Europa will man sich selbst mit der Kunst zeigen, Teil davon sein. Vor jedem Werk wird ein Selfie oder zumindest ein Foto gemacht. Ich stelle fest: Die Leute wollen interagieren, Teil des Ganzen sein. Eine wunderbare Spielwiese für Augmented Reality, wie ich finde. Am Rande bemerkt: Ohne WeChat, dem chinesischen Pendant zu Whats App, geht in China gar nichts mehr. Es wird kommuniziert, gespielt, Taxis gerufen und sogar bezahlt. Kreditkarte scheint Vergangenheit zu sein. Ich treffe junge chinesische KünstlerInnen, die mir ihre Sicht auf den Markt erzählen. Ihre Arbeiten sind sehr spannend und kommen in China gut an. Trotzdem wollen sie lieber nach Europa. Einer geht nach Düsseldorf, eine andere würde gerne nach Amsterdam, Wien wäre auch eine Option.


Wir überlegen, welche Möglichkeiten es gibt ihre Kunst in Wien zu zeigen. Was wir von ARCC.art genau machen bleibt offen. So auch bei dem Gespräch mit einer jungen, sehr engagierten Kunstagentin. Durch unsere Website liefern wir in China einen guten Überblick über unser Portfolio. In China weiß man jetzt zumindest von ARCC.art.
Wir suchen weiter nach Arbeiten im Augmented Reality Bereich, weil das dem Zeitgeist zu entsprechen scheint – in China, wie auch in Österreich. Und bald gibt es vielleicht eine Ausstellung mit junger chinesischer Kunst. Zurück in Österreich blicken wir gespannt in die Zukunft.

 

Ulla Bartel